Warum es heisst, wie es heisst - das Trio d'Iroise

Am westlichsten Zipfel Frankreichs, dort wo sich nördlich der Ärmelkanal, westlich der Atlantik und südlich die Bucht von Brest treffen, liegt die Pays d‘Iroise – die Region der Iroise. Hier findet sich die größte Dichte an Leuchttürmen und hier kommt jede Navigation an ihre Grenzen.

 

Der Name Iroise tauchte erstmals 1692 in einer Karte der französischen Marine auf und könnte zu dieser Zeit militärische Hintergründe gehabt haben, da bereits seit 1631 königliches Militär in Brest stationiert war. Dennoch beschäftigt die Frage nach der sprachlichen Bedeutung der Iroise die Forschung bis heute. Dabei spielen diverse Übersetzungen aus den Sprachen derer eine Rolle, welche die wilde Passage um die Westküste herum via Seefahrt nutzen mussten.

 

Eine der Theorien beschäftigt sich mit der Bretonischen Sprache, in der    hir (lang) und gwaz (Bach) über hirwaz – im Sinne einer Passage oder natürlichen Wasserstraße auf die Lage und Nutzung der Iroise als Durchfahrt deuten könnte.

 

Eine andere übersetzt den Wortteil ire – Wut aus dem Altfranzösischen und führt die Überlegung an, die Iroise sei „die Wütende“, bezieht sich also eher auf ihre Wildheit.

 

Eine weitere zieht das Irische zu Rate, denn irois bezeichnet auf Französisch die weibliche Form des Wortes Irisch.

 

Keine der Erklärungsversuche kann Linguisten und Historiker aber wirklich überzeugen und so bleibt die Iroise wild,                                       schön und auch sprachlich unergründlich.

Umrundet von den ungestümen Meeren, von einer steten Brise durchwühlt und den strengen Gezeiten unterworfen liegt nun die Pays d‘Iroise, ein Zusammenschluss von 20 bretonischen Gemeinden.

 

Und hier gründeten Amelie und François Lefèvre im Jahr 2011 das Kammermusikfestival      „Rencontres musicales d‘Iroise“.

Jedes Jahr Anfang August treffen sich hier zwei Wochen lang junge, befreundete, klassisch ausgebildete MusikerInnen aus ganz Europa und bespielen in diversen Besetzungen die abgelegensten Kappellen und die schönsten Kirchen, wie sie sich in den vielen kleinen Gemeinden nur zu Hauf finden. Mittlerweile ist das Festival so gut in der Region etabliert, dass es keine Rolle spielt ob eine Kirche lediglich zu Fuß erreicht werden kann, es vor Ort noch Annehmlichkeiten wie eine Toilette oder umfassende Werbeaktionen gibt.

 

 

Die Konzerte erfreuen sich einer großen Fangemeinde, deren Mitglieder teilweise seit dem Beginn des Festivals jedes Konzert miterlebt haben. Dieser engste Kreis an treuen Fans wiederum bringt seine Wertschätzung in liebevollen Gesten zum Ausdruck. Beispielsweise werden die MusikerInnen während der Probentage von ihnen bekocht und teilweise auch beherbergt, sie verteilen Flyer und sprechen mit den Gemeinden über diverse organisatorische Details.

Die chapelle saint ourzal
Die chapelle saint ourzal

An diesem magischen Ort, an dem es wirklich nach dem Salz des Meeres duftet und tatsächlich die Farben der Landschaft durch den häufigen Regen intensiver sind, haben François Lefèvre, Johann Caspar Wedell und   Sophie Pantzier im Sommer 2017 beschlossen ein Streichtrio zu gründen und ihm den Namen Trio d‘Iroise zu geben.

 

Während dieser Name und auch die besagte kleine Region in der Bretagne im Rest der Welt häufig Fragezeichen auf die Gesichter des Publikums zeichnen, ist es den Bewohnern der Pays d'Iroise eine kleine Freude, den Namen ihrer Heimat durch das Trio d'Iroise ein wenig in die Welt zu schicken.

 

le règle Cras
le règle Cras

Sehr malerisch und farbenreich hat übrigens der bretonische Komponist Jean Cras diese Region einzufangen vermocht. Hört man die Klänge seines Streichtrios, fühlt man sich schnell dem Sog der Wellen, aber auch dem Träumen nach Fernen Welten und Kulturen ausgesetzt wie es für Küstenbesuche so naheliegend ist. Jean Cras war neben seiner kompositorischen Tätigkeit vor allem Offizier in der französischen Kriegsmarine und fuhr zur See. In der Welt der Seefahrt konnte er sich einen Namen durch die Erfindung des „Règle Cras“ machen, einem Winkelmesser zum Kartenlesen. Ungeachtet aller scheinbaren Wiedersprüche, liess er sich ein verkleinertes Klavier in seine Kajüte bauen. Hier, im Rumpf des schaukelnden Schiffes, sieht man ihn die Eindrücke seiner weltweiten Landgänge, die Faszination für fremde Kulturen aber auch der Eintönigkeit wochenlanger Seefahrten in Melodien fassen – so zumindest erzählt es seine Musik.

 

Text: Sophie Pantzier

Fotos:François Lefèvre

 

 Links:  https://soundcloud.com/triodiroise/jean-cras-string-trio        

             https://www.youtube.com/watch?v=4OUocGpKeIc

 

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